Glossar

Glossar audiologischer Begriffe.
Im Folgenden werden einige der in den Texten gebrauchten Fachbegriffe kurz erläutert.

A:

AGC (Automatic Gain Control):
Elektronische Regelung eines Hörgerätes, welche die Verstärkung in Abhängigkeit vom Eingangspegel einstellt.

Anamnese:
medizinisch und/oder psychologisch erhobene Krankheitsgeschichte

Analoge Hörgeräte:
Analoge Geräte können Schallsignale nur in analoger Form verarbeiten. Nachträgliche Änderungen der Funktionen sind nicht mehr möglich. Mit der digitalen Programmierung von analogen Hörgeräten ist ein großer Fortschritt gelungen, die individuelle Hörgeräteanpassung durch eine Vielzahl von Stellern unter Beibehaltung kleinster Gerätebauweise computerunterstützt zu optimieren (s. digital programmierbare Hörgeräte).

Audio-Eingang:
Kontakt am Hörgerät, an den über Stecker oder eine Art Schuh ein Verbindungskabel bzw. aufteckbarer Funkempfänger angeschlossen werden kann zum störfreien Empfang von Radio, Fernseher, etc. oder auch für Konferenzen- Kongreß- und Schulanlagen.

B:

Binaurale Hörgeräteanpassung:
Die Versorgung beider Ohren mit je einem Hörgerät. Wird in der Regel in Betracht gezogen, da das Gehirn nur über die beidseitige Schallwahrnehmung in der Lage ist, Nutzschall aus Lärm zu unterscheiden, sich im Stimmengewirr mehrerer Menschen auf einen Gesprächspartner zu konzentrieren oder die Schallrichtung z.B. im Straßenverkehr zu bestimmen.

D:

Digital programmierbare Hörgeräte:
Hörhilfen, deren elektroakustische Eigenschaften extern über einen Rechner oder Computer eingestellt werden. Der Hauptvorteil programmierbarer Hörgeräte liegt darin, daß eine Vielzahl elektroakustischer Parameter eingestellt werden kann, um den Hörverlust präziser zu kompensieren. Mitunter werden diese Hörgeräte oft mit digitalen Hörgeräten verwechselt oder als solche fälschlicherweise bezeichnet, denn die Signalverarbeitung erfolgt bei diesen Hörgeräten in analoger Weise (s. Volldigitale Hörgeräte).

DSL[i /o] (Desired Sensation Level):
Anpassformel, die von einer Forschungsgruppe unter der Leitung von Dr. Richard C. Seewald an der University of Western Ontario in Kanada speziell für Kinder entwickelt wurde. Sie berücksichtigt die Lautheitswahrnehmung so, dass leise Signale zwar als leise, aber noch wahrgenommen werden; mittellaute Signale als angenehm, und laute Signale zwar laut, aber nicht unangenehm empfunden werden.

F:

Frequenzgang:
Die Verstärkung eines Hörgerätes bezogen auf die Frequenz wird graphisch aufgezeichnet. Die resultierende Kurve wird als akustische Wiedergabekurve oder auch als Frequenzgang bezeichnet. Frequenz: Die Frequenz ist als Anzahl der Schwingungen pro Sekunde definiert und wird mit der Einheit Hertz bezeichnet. Die für die Sprachverständlichkeit wichtigsten Frequenzen liegen zwischen 100 und 3000 Hz. Frequenzen über 3000 Hz werden in der Hörgerätetechnik als hohe Frequenzen bezeichnet.

H:

Hörbereich:
der Frequenzbereich, der vom menschlichen Ohr wahrgenommen wird. Er liegt zwischen 16 Hz und 20 000 Hz (altersabhängig).

Hörprogramm:
Insbesondere mit der Entwicklung der digital programmierbaren Hörgeräte war es möglich, dem Patienten nicht nur eine Grundeinstellung des Gerätes, sondern auch eine Alternative, ein 2. Hörprogramm zur Verfügung zu stellen. Während z.B. das 1. Hörprogramm in der Situation "Sprache in Ruhe" Verwendung findet, ist das 2. Hörprogramm zumeist für die Situation "in Störlärm" vorgesehen. Mit Hilfe einer Taste kann der Patient selbst bestimmen, welches Hörprogramm er benutzen will.

Hörspule:
In akustischen Hörsituationen nimmt das Hörgerät den Schall mit dem Mikrofon auf. Deshalb haben Hörgeräte meist eine Induktionsspule (Hörspule) eingebaut, die das induktive Streufeld des Telefonhörers empfängt und an den Verstärker weiterleitet. Um die Hörspule zu aktivieren, muss das Gerät mit Hilfe des Betriebsartenschalters (0-T-M) in den "Hörspulenbetrieb" gebracht werden.
Eine Induktionsspule kann dazu verwendet werden, um die Signale aus einer Induktionsschleife, die man in Kirchen, Schulen oder Vortragssälen findet, zu empfangen.

I:

Innenohrschwerhörigkeit:
s. Schallempfindungsschwerhörigkeit.

Invasive Verfahren:
eingreifend, meist operative Verfahren.

K:

KEMAR:
Knowles Electronic Manikin for Acoustical Research. Der "Kemar" ist eine standardisierte Puppe, die weltweit für akustische Messungen verwendet wird und bei der der Einfluss des Körpers oder des Kopfes eine Rolle spielt, z.B. bei der Messung von Hörgeräten mit Richtmikrofon.

kochleär:
dem Hörorgan (Kochlea oder Cochlea) zugeordnet.

Kompression:
Automatischer Verstärkungsmechanismus (s. AGC), der bei Erreichen eines bestimmten Pegels die Verstärkung reduziert. Das Kompressionsverhältnis wird durch das Hörgerät vorgegeben. Ein Kompressionsverhältnis von beispielsweise 3:1 bedeutet, daß bei einer Erhöhung des Eingangssignals um drei Teile das Ausgangssignal um einen Teil verstärkt wird.

Kugelmikrofone:
Mikrofone, die keine Richtungsempfindlichkeit aufweisen, d.h. für alle Schalleinfallsrichtungen gleich empfindlich sind, sind Kugelmikrofone.

Kugelcharakteristik:
Ein Fachbegriff aus der Richtmikrofontechnik. Dreht man ein Mikrofon vor einer Schallquelle um 360° und zeichnet gleichzeitig die vom Mikrofon abgegebene Spannung in einem Diagramm auf, dann erhält man das sog. Polar Koordinaten Diagramm. Für Mikrofone, die Schalle aus allen Richtungen gleich aufnehmen, hat das Diagramm zwar die Form eines Kreises, jedoch hat die Messung auch in der dritten Dimension das gleiche Resultat, sodass unter der dreidimensionalen Betrachtung die sog. Kugelcharakteristik entsteht.

L:

Lautheit:
Als Lautheit bezeichnet man die subjektiv empfundene Lautstärkewahrnehmung, die durch ein Signal hervorgerufen wird. Dabei können physikalisch gleiche Pegel sehr unterschiedliche Lautheiten hervorrufen. Die Lautheitswahrnehmung Normalhörender kann aus den Eigenschaften des Signals berechnet werden. Bei der Hörgeräteanpassung wird die Lautheit häufig mittels der Lautheitsskalierung in speziellen Einheiten, den sog. Kategorieneinheiten, gemessen.

M:

Modulation / Modulationsfrequenzen:
Betrachtet man die zeitliche Darstellung eines Sprachsignals, so erkennt man in der einhüllenden Kurve eine zeitliche Struktur (Modulation). Diese Struktur wird durch die zeitliche Abfolge von Worten, Silben und Phonemen gebildet. Die Geschwindigkeit, mit der laute und leise Anteile aufeinander folgen, heißt Modulationsfrequenz. Sprache hat typischerweise eine Modulationsfrequenz zwischen 3 und 6 Hz.

O:

Omnidirektional:
Ein Fachbegriff aus der Richtmikrofontechnik beschreibt die Wirkungsweise von Mikrofonen mit gleicher Empfindlichkeit aus allen Einfallsrichtungen. Dreht man ein Mikrofon vor einer Schallquelle um 360°, und zeichnet gleichzeitig die vom Mikrofon abgegebene Spannung in einem Diagramm auf, dann erhält man die sog. Kugelcharakteristik. Man bezeichnet solche Mikrofone auch als omnidirektional (überall hin gerichtete Mikrofone).

Otoplastik:
Ohrpassstück, das der Hörgeräteakustiker nach entsprechendem Ohrabdruck als Plastik von Gehörgang, Concha und einer Spange bis hinauf zur Fossa triangularis anfertigt. Sie dient als Verankerung und dichtende Halterung des Hörgerätes am Ohr. Durch den Gehörgangteil wird der Schall vom Hörgerät zum Restvolumen vor dem Trommelfell geleitet. Die dichtende Eigenschaft ist wichtig, um das akustische Rückkopplungspfeifen zu vermeiden.

P:

Programmtaste:
siehe unter Hörprogramm

R:

Recruitment:
Bei einem Recruitment beginnt der Schwerhörige erst bei größeren Schalldruckpegeln zu hören, jedoch holt er in der Lautstärkeempfindung schnell auf. D.h. bei lauten Schallereignissen hat der Schwerhörige die gleiche Empfindung wie der Normalhörende. Es kann sogar trotz der Hörbehinderung zu einer Lärmempfindlichkeit kommen.

Richtmikrofon:
Dreht man ein Mikrofon vor einer Schallquelle um 360° und zeichnet gleichzeitig die vom Mikrofon abgegebene Spannung in einem Diagramm auf, dann erhält man die sog. Richtcharakteristik dieses Mikrofons. Wesentliches Merkmal eines Richtmikrofons ist, daß das Diagramm eine ausgeprägte Empfindlichkeit (große Spannung) in einer Richtung hat. Je nach Bauform, Art und Plazierung (frei im Schallfeld oder am Kopf getragen) des Richtmikrofons ergeben sich andere Kurvenformen oder Charakteristika für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete

S:

Schall-Leitungs-Schwerhörigkeit:
Bei dieser Art der Hörstörung liegt eine gestörte Schall-Leitung im Gehörgang, im Mittelohr oder am ovalen Fenster vor. Sie betrifft ca. 5 - 10% der Hörstörungen und lässt sich meistens operativ behandeln.

Schallempfindungsschwerhörigkeit:
Bei dieser Art der Hörstörung sind die Haarzellen im Innenohr geschädigt oder fehlen. Somit kann die Umwandlung der akustischen Reize in neuronale Erregungsmuster nicht erfolgen. Lässt sich primär mit einem Hörgerät behandeln. Bei an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit und/oder bei Fehlschlagen einer Hörgeräteversorgung kann heute die Maßnahme eines Kochlea Implantats in Erwägung gezogen werden.

Schwerhörigkeit: Eine Hörstörung kann unterschiedliche, sehr vielfältige Ursachen haben. Das Hörvermögen wird immer dann gemindert, wenn ein oder mehrere Elemente auf dem Weg vom Außenohr zum Gehirn beeinträchtigt sind. (s. Schallempfindungsschwerhörigkeit und Schall-Leitungs-Schwerhörigkeit ).

U:

Unbehaglichkeitsschwelle:
Auch Unbehaglichkeitsgrenze genannt, bezeichnet denjenigen Schalldruckpegel, bei dem der Schall unangenehm laut wird; liegt bei Normalhörenden bei etwa 110 dB SPL. Bei Schwerhörigen, deren Unbehaglichleitsschwelle ebenfalls in diesem Bereich liegt oder geringfügig davon abweicht (+/ - 10 dB), spricht man von Recruitment.

V:

Volldigitale Hörgeräte:
Hörgeräte, die das durch die Mikrofone aufgenommene analoge Signal in ein digitales Signal umwandeln. Das digitale Signal wird dann entsprechend den Befehlen der programmierten Software (Algorithmus) und den auf dem Chip integrierten Schaltkreisen bearbeitet. Nach dieser Verarbeitung werden die digitalen Signale erneut in analoge Signale gewandelt und dem Hörer verstärkt zugeführt. Die Digitalisierung erlaubt eine Analyse und Filterung der Signale im Hinblick auf Sprache und Störlärm. Das ankommende Signal wird dabei in bestimmten Zeitabständen gemessen (Signalabtastung). Je häufiger die Signalabtastung desto besser ist die Reproduktion des Eingangssignals. Der entscheidende Vorteil dieser komplexeren Signalverarbeitung liegt in einer gezielteren Kompensation des Hörverlustes, insbesondere hinsichtlich einer optimalen Sprachverständlichkeit in lärmerfüllter Umgebung.